IMMOBILIEN & KUNST

Faszination Buchbinder-Handwerk oder warum Mainz in Prüm und auch in Trier sein kann

Was hat das Buchbinder-Handwerk des Künstlers Martinus Janssen mit den RE/MAX Premium Trier-Wittlich-Bitburg Immobilenmaklern zu tun? Die Antwort ist einfach: als Makler betritt man Häuser, die auch ein Kunst-Atelier enthalten können und dann wird man einfach neugierig. Unsere Besichtigung fand am Samstag, dem 14. Mai 2022 in Auw bei Prüm statt. Der aktuellen Adresse von Martinus Janssen (https://www.der-kuenstler.eu/), dessen Kunst uns nicht nur an der Hausfassade empfangen hat sondern der uns auch durch die von ihm „besetzten“ Räume mit allerlei Buchbinder-Handwerks-Utensilien geführt hat.

Sein langer weißer Bart ist sicher auch ein optischer Teil von Tradition

„Am Sonntag, dem 15. Mai“ bin ich in Trier – anlässlich des Handwerkermarkts zur feierlichen Eröffnung des Campus Handwerk in der Loebstraße“, informierte er uns. „Sonst bin ich in Prüm im Konvikt in meiner Werkstatt und – wenn man so will – als Dependance des deutschen Buchbindermuseums e.V. in Mainz, in der ich nicht nur meine Arbeit als Museumspädagoge mache sondern auch meine Forschung in Sachen mittelalterliche Buchbinderei tätige.“

Martinus Janssen arbeitet mit alten Materialien

Als Buchbinder, der die mittelalterliche Art und Weise des Buchbindens und der damit verbundenen Möglichkeiten perfekt beherrscht bekommt man schnell einen Ruf, der nicht nur lokal beschränkt bleibt. – „Ich wurde bis nach China eingeladen, wo – so glaube ich – mehr Selfies von mir entstanden sind, als es Chinesen gibt.“ meinte er lachend. – Dass hier sein Bart auf die Zugfestigkeit überprüft wurde, ist der andere Teil der Geschichte.

Und besonders stolz ist er auf einen so genannten „Beschneidehobel“ aus den Jahren vor 1703. Warum dieses Datum so genau zu bestimmen ist: in diesem Jahr wurde eine klösterliche Buchbinderei in den Niederlanden geschlossen und nach der Auflösung der gesamten klösterlichen Anlage im Jahr 2016 wurde er angefragt, ob er nicht Verwendung dafür hätte.

Mittelaltermärkte werden von ihm nicht besucht

„Wenn man sich mit der Art und Qualität des Buchbindens im Mittelalter auseinandersetzt, dann kann ich nicht auf Mittelaltermärkten auftreten, bei welchen andere Buchbinder mit Kunststoff arbeiten.“ – Vielleicht sollte man wirklich einfach notieren, dass die Zeitspanne zwischen 500 und 1500 allgemein als Mittelalter bezeichnet wird. Und Kunststoff, ja Kunststoff entwickelte sich langsam im 18. und 19. Jahrhundert und dann zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert erst sprunghaft (vgl. https://www.deutsches-kunststoff-museum.de/kunststoff/geschichte/ ).

Zurück zum Beutelbuch

Am Sonntag dem 15. Mai 2022 vertrat Martinus Janssen nicht nur sein Handwerk, er war auch optisch im Stil eines mittelalterlichen Buchbinders an und um seinen Stand: mit dem obligatorischen Beutelbuch eines Gewerbetreibenden. – „Darin wurden Preise, Adressen, Kontakte, Ideen, Aufträge, alles notiert, was wir heute mit unserem Handy machen“. – Die Technik der Herstellung verlangt ein verbinden von dem Buch-Einband, den dafür ausgewählten Seiten bzw. Papieren und natürlich der Halterung (vgl. Foto), so dass ich das Buch auch nicht verliere.“ – Im Grunde entwickelte sich das Beutelbuch wahrscheinlich über die Gebetsbücher der Mönche, die bei der Feldarbeit nicht verloren gehen sollten. Und so ein am Gürtel fixiertes Beutelbuch bleibt „am Mann“… – Mönche, Händler, wohlhabende Frauen wie Männer waren damit ausgestattet. Mit unterschiedlichen Formaten und Gewichten.

Wie soll man alte Bücher lagern?

Wenn man vieles über alte Bücher erfahren will, so muss man Martinus Janssen nur zuhören. – Der moderne Buchdruck mit Metallettern und Druckpresse eines Johannes Gutenberg um 1450 (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gutenberg) war erst zum Ausklang des Mittelalters präsent. Zuvor gab es zwar Druckverfahren (Stein- oder Holzdruck), mit welchen erste Bücher gedruckt wurden, doch alles wurde von einer festen Form übertragen. – Somit hatten die mittelalterlichen Bücher auch keine Titel. Verzierungen ja, doch keine Titel. Und wer historische Dokumente genau studiert, der erfährt, dass vor Gutenberg in den Regalen die Bücher nicht mit dem sichtbaren Buchrücken aufgestellt waren (auf welchem kein Titel notiert werden konnte), sondern mit der Blatt-Seite, auf welcher mit Kohlestift der Titel eingetragen war. – „Und wer heute Bücher sammelt, dem empfehle ich immer, diese flach liegend zu lagern. Denn jede senkrechte oder auch schräge Lage lässt den Buchblock (die Seiten) an der Buchfalz ziehen und belastet diese bis zum Riss.“ – Martinus Janssen kennt sein Metier.

Vor lauter Geschichten haben wir das alte Handwerkszeug vergessen

Die Geschichten des Buchbinders und Künstlers Martinus Janssen kennen kein Ende. Deshalb am Ende dieses Textes nochmals zurück zum Anfang. Seine Forschung in Sachen mittelalterliches Buchbinden hat ihn dazu motiviert, die im Mittelalter üblichen Werkzeuge in der damals üblichen Konsistenz herstellen zu lassen. – Ein Hammer oder Amboss von 1400 war weniger stabil als einer aus unserer Zeit. „Doch wenn ich im Stile der mittelalterlichen Buchbinder-Technik arbeiten will, muss ich entsprechende Arbeitsmaterialien verwenden. Erst dann bin ich authentisch!“ Und die von Martinus Janssen in Prüm angebotenen Kurse in Sachen Papierschöpfen, Druck und Buchbinden lassen nicht nur Schulklassen sondern auch interessierte Buchbinder zur Weiterbildung (im Zweifel sogar über drei Wochen) nach Prüm kommen. – „Im Herbst werde ich Einzelunterricht geben – für einen Interessenten aus der Schweiz!“

Wir von RE/MAX Premium Trier-Wittlich-Bitburg werden ihm unsere Galerie-Räume in Bitburg zeigen. Vielleicht, dass sich hier eine Brücke aufbauen lässt. Vielleicht sogar zu seiner Kunst, die über die Malerei, die Bildhauerei und die Fotografie zum künstlerischen Buchbinden führt. – Bucheinbände können auch eine Fläche künstlerischen Ausdrucks darstellen (vgl. Foto) – Zunächst stehen wir in der Pflicht als Immobilienmakler in Bezug auf dessen aktuelles Haus und dem uns übertragenen Auftrag!

Text: Christoph Maisenbacher
Quelle: Martinus Janssen / https://www.der-kuenstler.eu/
Fotos: © Trierer Umschau